XVII. Die Gemeinde Riegersdorf

(aus Bd. 2 Kap. 1)

mit dem Gemeindeamte in Riegersdorf, wozu die Ortschaften Riegersdorf und Steinsdorf gehören. Wir nennen:

a) Riegersdorf oder Richardsdorf längs dem Luhbuhcebach, eine deutsche Ansiedelung. Sie hatte vor hundert Jahren 55, jetzt 99 Häuser mit 813 Einwohnern und mit Steinsdorf eine Grund-Area von 705 Joch 60  Klftr. Der Ort bildete früher mit Eulau, Merzdorf und Gesteinigt das Rittergut Eulau, welches nach den Drangsalen des 30jährigen Krieges blos 939 Bewohner hatte. Unter den Grafen von Thun im Jahre 1653 mit dem Gute Schönstein vereinigt, wurde die Herrschaft Eula gebildet, welche der Graf Franz Sigmund zum Fidei-Commiss Tetschen gab. - Riegersdorf hatte früher mit Eulau dasselbe Gemeindeamt, trennte sich jedoch mit Steinsdorf als selbstständige Katastralgemeinde im Jahre 1850 und wählte seinen eigenen Gemeindevorsteher. Der erste war Franz Heidenreich, Oekonom in Riegersdorf Nr. 15. - Weil Riegersdorf mit Eulau auch die Gemeindeverwaltung gemeinschaftlich besass, so wurde auch diesbezüglich eine Trennung beabsichtigt, welche auch mittelst gütlichen Vergleiches auf Antrag vom 13. Februar 1856 zu Stande kam, wodurch Riegersdorf von der gemeinschaftlichen Waldung eine Area von 60 Joch und den 7 Joch Area betragenden sogenannten kahlen Berg erhielt. 1)

Es gab dort in alter Zeit ein Freilahn oder Freilehengut, über welches schon erzählt wurde. Die Ritter von Bünau, Eulauer Linie, brachten dieses Freigut von Merthen Fleischer im Jahre 1586 an sich, 2) kauften oder brachten nach den Rechtssprüchen jener Zeit andere Bauerngüter dazu, so z.B. das sogenannte Frankengut, und benützten es unter dem Namen "Schäferei zur Eula" zur Schafzucht. Schon im Jahre 1609 wird dort ein Schäfer genannt. 3) Im Jahre 1630 bei der wirklichen Uebernahme des Rittergutes Eulau standen dort ungefähr 800 Stück Schafe. Vor der Anbauung des Dorfes Steinsdorf im Jahre 1830 gab es dort eine mit Steinen besäte grosse Hutweide. Ausser den Hutweiden hatte der Hof über 100 Scheffel Feld und Wiese. Die Gebäude waren im Schwedenkriege niedergebrannt worden. 4) Auch die Grafen von Thun benützten diesen kleinen Meierhof unter dem Namen "Schäferei zu Riegersdorf" zur Schafzucht. Im Jahre 1684 wohnte dort der Schafmeister Hans Weigend. 5) Es heisst, dass im Jahre 1792 die Schäferei zu Riegersdorf auf 5900 fl. 1 kr. 1 Pf. C.-Mze. geschätzt wurde. Der dortige Schafstall, welcher vor ungefähr vier Decennien neu gebaut wurde, ist heute noch zu sehen. Die Grundstücke dieses Hofes sind jetzt verpachtet und es wohnt dort ein gräflich Thun`scher Forstaufseher.

Die dortige Mühle des Wenzel Greissel bestand schon im Jahre 1481 zu den Zeiten der Ritter von Lungwicz. Der Nickel-Müller von Riegersdorf kommt im Jahre 1481 zu dem Schöppenstuhle in Eulau und verzichtet vor seinem Erbherrn auf ein Guts-Drittel. 6) Sie war zweigängig. Im Jahre 1684 gehörte sie der Herrschaft und ein Andreas John war dort Pachtmüller. Im Jahre 1700 wurde sie emphiteutisch gegen die üblichen schon öfter genannten Leistungen und Bezüge verkauft. 7)

Unterhalb der Greisselmühle bestand früher eine Brettmühle mit einer Holzschleiferei, welche zuerst in eine Draht-Nagelfabrik, dann in eine Spinnerei und darauf in eine Strick- und Bindfädenfabrik umgeändert wurde. Künftig soll das dort vor ungefähr einem Decennium aufgebaute Gebäude wieder für die Erzeugung eines anderen Fabrikates benützt werden. - lm Jahre 1854 baute Ignaz Knie dort seine nette Kunstmühle. - Die dortige Metall- und Hornknopffabrik des Fr. Schönbach ist in der Neuzeit errichtet worden. - - Neben dem dortigen Meierhofe bestand eine alte herrschaftliche Ziegelei, welche im Jahre 1876 als nicht lohnend weggerissen wurde. Einige Jahre vorher waren in Riegersdorf von Josef Vogel, Wenzel John und Franz Klement Ziegeleien errichtet worden.

b) Steinsdorf, welches jetzt 70 Häuser mit 489 Einwohnern zählt. Dieses nächst Königswald gelegenen Dorfes ist schon gedacht.

Die Bewohner von Riegersdorf nähren sich vorzugsweise von der Landwirthschaft und Gewerbebetrieb und die von Steinsdorf meistens von der Weberei.

 

XVII. Die Gemeinde Riegersdorf

(Fortsetzung von II. 95.)

umfasst Riegersdorf und Steinsdorf, welche zusammen 1073 fl. 54 kr. directe Steuern zahlen, zusammen 1039 Einwohner in 173 Häuser haben, nach Eulau eingepfarrt und eingeschult sind und zum dortigen Postgebiete gehören. Wir nennen:

a) Riegersdorf mit 646 Einwohnern.

Am 25. October 1883 brannte hier das Gasthaus des Josef Wilhelm John, Bleichenbesitzers in Merzdorf, nieder und am 01. September 1887 das Haus des Wenzel Hüttich.

Zu den schon genannten Industrien dieses Ortes sind noch zu nennen: die Wachholder- und Pflaumensiederei des Josef Löbel, die Leimerzeugung des Paul Hosemann und die seit dem Jahre 1887 im dortigen Meierhofsgebäude bestehende Lacke-Erzeugung. - Das dortige Gebäude unterhalb der Kreiselmühle, worin früher Holz geschliffen, darauf Nägel erzeugt, dann Garn, endlich Bindfaden und Stricke gesponnen wurden, wird im Jahre 1889 zur Knöpfeerzeugung eingerichtet.

b) Steinsdorf mit 393 Bewohnern. Dieser Ort wird vorzugsweise von Webern bewohnt.

1) F. C. Dörre und W. Funke in ihrem Werke "Der Bezirk Tetschen in seinen land- und forstwirtschaftlichen Verhältnissen" - schätzen den Riegersdorfer Wald-Complex auf 78 Joch.
2) Den Riegersdorfer alten Grundbüchern entnommen.
3) und 4) Eulauer Gemeindelade.
5) Matrik vom Jahre 1651.
6) Siehe das alte Grundbuchfragment vom Jahre 1481 in der Eulauer Gemeindelade.
7) Siehe Matriken und Mühlenausweis.

Quelle: P. Franz Focke, Pfarrer in Königswald:
"Aus dem ältesten Geschichts-Gebiete Deutsch-Böhmens. Eine geschichtliche Durchforschung des Elbe- und Eulauthales"
erschienen im Selbstverlage des Verfassers.
1. Band und 2. Band 1879 und 3. Band 1889